Risiko oder Sicherheit? Geldanlagen und ihre Anlagestrategien

Wer Kapital anlegen möchte, steht grundsĂ€tzlich vor der Frage, ob attraktive Renditen gewĂŒnscht sind oder eine Anlagestrategie, die hohe Sicherheit verspricht. Beide Faktoren schließen sich aus. Das Prinzip, mit dem Minimum das Maximum zu erwirtschaften, gibt es bei der Geldanlage genauso wenig wie in der Wirtschaft.

So bedarf es einer Entscheidung: Soll durch die Anlagestrategie mit einem bestimmten Renditeziel das Risiko minimiert werden? Oder durch eine geschickte Anlagetaktik mit einem festgelegten Risiko eine möglichst hohe Rendite erwirtschaftet werden?

Einfluss auf MĂ€rkte und Renditen

Wertpapiere, Fonds und Staatsanleihen hĂ€ngen eng mit weltweiten Entwicklungen zusammen. So reagieren die Börsen unmittelbar auf politische Entscheidungen wie zuletzt beispielsweise die AnkĂŒndigung des US-PrĂ€sidenten Trump hinsichtlich der Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Rechtliche Restriktionen zulasten von Dieselfahrzeugen beeinflussen den Börsenwert der Automobilhersteller.

Diese vorhersehbaren und unvorhersehbaren Ereignisse fĂŒhren zu Kursschwankungen, die sich aus einem wechselnden VerhĂ€ltnis von Angebot und Nachfrage begrĂŒnden. Da diese Ereignisse immer hĂ€ufiger eintreten, steigt das Risiko der Investition in Wertpapiere teilweise.

Sicherheitsorientierte Anlagestrategien

Anleger, die Wert auf die Sicherheit ihrer Geldanlagen legen, haben es aktuell schwer. Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 begannen die Leitzinsen zu sinken – bis sie aktuell auf einem Niveau von null Prozent angekommen sind. Banken, die sich das Geld von der EZB leihen, tragen die Leitzinsen immer auch an die Sparer und Anleger weiter. Die Folge: Mit Geldanlagen sind derzeit kaum noch Renditen zu erzielen.

Tagesgeld

Tagesgeld galt lange als attraktive Anlageform fĂŒr Sparer. Es lockte eine relativ attraktive Verzinsung, das Geld war tĂ€glich verfĂŒgbar und die Abwicklung erfolgte ganz einfach ĂŒber das eigene Girokonto. Dank der europĂ€ischen Einlagensicherung sind auch Guthaben im europĂ€ischen Ausland geschĂŒtzt, sodass man ganz einfach von den Banken mit den besten Zinskonditionen profitieren und gegebenenfalls problemlos wechseln konnte.

Aktuell bieten Anbieter von Tagesgeldkonten kaum mehr als null Prozent Zinsen – und damit nicht einmal einen Inflationsausgleich.

Festgeld

Festgeld lĂ€sst sich Ă€hnlich einfach wie Tagesgeld anlegen, außer dass hier ein Zeitraum vereinbart wird, in dem das Geld nicht fĂŒr den Sparer verfĂŒgbar ist. Mit der Dauer dieses Zeitraums steigt auch die Verzinsung an.

Auch hier sind die Zinsen aktuell extrem niedrig. Hinzu kommt, dass bei einer jetzigen Anlage die Zinsen festgeschrieben werden. Steigt das allgemeine Zinsniveau wieder an, bleibt der Zinssatz fĂŒr das Festgeld ĂŒber die Laufzeit auf dem derzeitigen Stand. Entsprechend ist hier von mittel- und langfristigen VertrĂ€gen abzuraten.

Anleihen

Bundesanleihen galten lange Zeit als die beliebteste Geldanlage der Deutschen. Aktuell bringen diese den Privatanlegern nichts mehr ein beziehungsweise ist die Spekulation auf noch weiter fallende Zinsen riskant.

Was höhere Renditen bringt, jedoch gleichzeitig mit einem ebenfalls höheren Risiko verbunden ist, sind Staatsanleihen anderer LÀnder.

Sachwerte

Eine weitere Form der Geldanlage ist die Umwandlung des Kapitals in einen Sachwert. Das Risiko ist hier besonders gering, da immer auch ein Gegenwert erhalten bleibt, ganz gleich ob bei einer Immobilie oder der Investition in Edelmetalle.

Besonders beliebt ist dabei Gold, das seit Jahren einen kontinuierlichen Zuwachs verzeichnen kann. Die Wertsteigerung bedingt sich im Falle von Immobilien vor allem aus der steigenden AttraktivitÀt einer Lage, die die Nachfrage im Umkreis erhöht.

Risikobehaftete Geldanlagen

Wer das Risiko nicht scheut, kann gerade in turbulenten Zeiten hohe Renditen erzielen. Vor allem gefragt sind dabei ohne Zweifel starke Nerven.

Fonds

Bei Fonds gibt es die komplette Bandbreite von risikobehafteten Anlagen bis hin zu sicheren Fonds mit einer konstanten Rendite. Entscheidend ist die Zusammensetzung des Fonds: Neben reinen Aktienfonds gibt es beispielsweise Immobilienfonds und Schiffsfonds. Vor allem Letztere sind mit einem hohen Risiko verbunden. Rentenfonds hingegen sind vor allem Investitionen in festverzinsliche Wertpapiere und Pfandbriefe, die nur geringe Renditen versprechen. In einer Mischform zwischen Renten- und Aktienfonds hingegen locken attraktive Wertsteigerungen.

Bei Fonds lohnt es sich also, ganz genau hinzuschauen, statt blindlings zuzuschlagen.

ETFs

Als relativ sichere Geldanlage in Fonds sind die sogenannten ETFs (Exchange-traded Funds) zu nennen. Im Gegensatz zu klassischen, aktiv gemanagten Fonds ist in einem ETF ein Index entsprechend der Gewichte seiner Einzelaktien abgebildet, d.h., die Inhalte werden nicht aktiv durch einen Manager ausgewÀhlt, sondern automatisch bestimmt.

Dabei haben ETFs zahlreiche Vorteile wie z. B. geringere GebĂŒhren, da kein Fondsmanager aktiv ist, der eine jĂ€hrliche VerwaltungsgebĂŒhr erhĂ€lt, sowie den einfachen Onlineabschluss durch den Nutzer selbst.

Einzelaktien

FĂŒr private Anleger lohnt es sich praktisch nicht, Aktien von einzelnen Unternehmen zu erwerben beziehungsweise ist damit das hohe Risiko eines Totalverlustes verbunden. Immer wieder halten sich private Anleger trotz geringer Kenntnisse des Marktes fĂŒr schlau genug, dem Markt vorbei an studierten Fondsmanagern ein Schnippchen zu schlagen. Das gelingt eher nie. Als Privatperson ist man mit einem Fonds definitiv besser bedient.

Wer das Risiko von Einzelaktien unbedingt eingehen möchte, sollte den Anteil im Portfolio auf etwa zehn Prozent beschrÀnken.

Crowdinvesting

Teilweise hohe Renditen versprechen Online-Plattformen, die als Kreditvermittler fungieren. Hier kann jeder Privatanleger als Mikrokreditgeber auftreten und in Objekte seiner Wahl investieren. Bei einer erfolgreichen Finanzierung eines Projekts ist die Investitionssumme ĂŒber einen festgelegten Zeitraum zur Finanzierung gebunden. Bestenfalls locken am Ende zweistellige Renditen – bei denen wie ĂŒberall sonst gilt: Es gibt nichts geschenkt. Trotz sorgfĂ€ltiger PrĂŒfung der Projekte durch die Betreiber der Plattform sind TotalausfĂ€lle nicht selten. Scheitert das finanzierte Projekt, so ist in der Regel auch die Finanzierung futsch.

Altersgerechte Anlagestrategie

Die individuell passende Geldanlage hĂ€ngt maßgeblich von der eigenen Risikobereitschaft ab. Ein zweiter wichtiger Faktor ist neben dem Geschlecht – MĂ€nner sind risikofreudiger als Frauen – jedoch das Alter.

  • In den Zwanzigern steht meist die erste eigene Wohnung im Vordergrund – die Einrichtung will mit einem noch relativ geringen Ausbildungs- oder Einstiegsgehalt finanziert werden, eventuell rĂŒckt die Familienplanung in den Fokus.

Anlagestrategien: flexible Geldanlagen, die in jedem Moment Zugriff auf das Geld erlauben, und eine staatliche geförderte Altersvorsorge.

  • In den Dreißigern verdient man meist schon recht ordentlich und kann sich ĂŒber den reinen Lebensunterhalt hinaus einiges leisten. Dies ist ein guter Zeitpunkt, um rund zehn bis 15 Prozent des Einkommens anzulegen.

Anlagestrategien: verschiedene Laufzeiten und Anlageklassen; wenn möglich und am besten durch den Arbeitgeber bezuschusst: betriebliche Altersvorsorge.

  • In den Vierzigern erreicht die berufliche Karriere langsam ihren Höhepunkt. Dem zufriedenstellenden Gehalt steht jedoch der Wunsch nach Wohneigentum gegenĂŒber, dessen Darlehen einen Teil der finanziellen Mittel bindet.

Anlagestrategie: ein ausgewogenes VerhĂ€ltnis von Risiko und Rendite – Aktien und Fonds sollten Bestandteile des Portfolios sein.

  • Mit zunehmendem Alter steigt das SicherheitsbedĂŒrfnis, um nicht einen Teil des Ersparten zu verlieren.

Anlagestrategie: Umschichtung von risikobehafteten Anlagen zugunsten festverzinslicher Wertpapiere, ausgewogener Fonds, auch Edelmetalle.

Fehler bei der Geldanlange

Bei der Investition in Wertpapiere gilt vor allem eines: HĂ€ufiges Kaufen und Verkaufen frisst einen Großteil der Gewinne wieder auf. RenditestĂ€rker sind langfristige Geldanlagen, die eine konstante Wertentwicklung haben.

Bei der Berechnung der Gewinne vergisst man allzu leicht die Steuern. Diese unterscheiden sich je nach Anlageform. Bei einem Vergleich unterschiedlicher Renditen sollte man sich dessen stets bewusst sein.

Der Irrglaube, den Markt schlagen zu können, hat schon so manchen Anleger in den Ruin getrieben. Die Verhaltensökonomie hat gleich mehrere typische Verhaltensweisen von Anlegern ermittelt, die allesamt zu finanziellen Verlusten fĂŒhren. Die Ursache sind in fast allen FĂ€llen die SelbstĂŒberschĂ€tzung und ein zu kurzfristiges Denken.

Keineswegs sollte man – ganz unabhĂ€ngig von der Anlagestrategie – das komplette Vermögen anlegen. Bei einem Notfall, der mit einer finanziellen Belastung einhergeht, gibt es sonst keine RĂŒcklage und ein finanzieller Engpass ist unausweichlich. Die Höhe dieses Notgroschens hĂ€ngt ganz individuell vom eigenen SicherheitsbedĂŒrfnis ab.

Fazit

Sicherheitsorientierte Anleger haben es auf absehbare Zeit schwer, mehr aus ihrem Geld zu machen. Umgekehrt droht einigen risikofreudigen Anlegern der Totalverlust, wenn sich die eine oder andere Spekulation als Blase entpuppen sollte.

Um das Optimum aus Sicherheit und Rendite zu erzielen, ist das Stichwort die Diversifikation. Das Portfolio kann dabei unterschiedliche Anlageformen wie Aktien, Fonds und Edelmetalle als auch Wertpapiere verschiedener Branchen enthalten. Im Falle einer Rezession sind nicht alle Wirtschaftsbereiche gleichermaßen betroffen.

Steigen die Zinsen fĂŒr Festgelder irgendwann wieder an, ist dann noch Kapital vorhanden, um sicher fĂŒr das Alter vorzusorgen.

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