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Typ-Frage: Welche Bauweise ist die richtige für Sie? | 01/2021

Groß und lichtdurchflutet oder eher kompaktes Architekten-Haus? Sind Sie schon konkret in der Planung, wie die Wunschimmobilie aussehen soll?

Bevor Bauherren zur Bank gehen und einen Kredit unterschreiben oder überhaupt daran danken können, den Spaten in die Hand zu nehmen, gilt es einige Hürden zu nehmen. Ein Punkt auf dieser Liste: Ihre Entscheidung für eine Bauweise. Jahrzehnte wurde im deutschsprachigen Raum nur massiv gebaut.

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe Haustypen, welche in der Leichtbauweise entstehen. Diese stehen – was die Wohnqualität angeht – dem Massivhaus nicht wirklich nach. Es gibt natürlich einige Unterschiede. Diese betreffen unter anderem die Bauzeit, Dämmeigenschaften oder die Kosten. Unterm Strich ist abzuwägen, welcher Aspekt Ihnen besonders wichtig ist.

Nur mit klarem Kopf und genauen Vorstellungen werden Bauherren die richtige Entscheidung für ihr Wunschhaus treffen. Wir zeigen Ihnen, welche Bauweisen es gibt und wann welche Variante für Sie interessant ist.

Bauweisen im Überblick

Bevor Sie überhaupt daran denken können, mit dem ersten Spatenstich auf dem Bauplatz anzufangen, steht eine Entscheidung über die Art und Weise des Neubaus an. Inzwischen lassen sich ganz unterschiedliche Bauweisen realisieren.

Wahrscheinlich zu den bekanntesten Bauformen gehört das Massivhaus. Hier wird der umbaute Raum von den Außenwänden und einigen Innenwänden getragen. Mit dieser Bauweise entsteht die typische Aufteilung des Grundrisses. Wie können Sie Ihr Traumhaus noch bauen?

Die beiden wichtigsten Varianten sind das bereits angesprochene Massivhaus und die Leichtbauweise. Beide Formen lassen sich noch weiter unterteilen – wie das Beispiel des Ständerbaus im Leichtbausegment deutlich macht. Sich eingehend mit den Haustypen zu befassen, ist die Grundlage der Entscheidung für das Traumhaus.

1. Massivbauweise: (Wert)stabiler, aber auch deutlich teurer und aufwendiger

In Massivbauweise errichtete Gebäude haben ein gemeinsames Merkmal – massive Wände, die aus mineralischen Baustoffen bestehen. Hierbei kann es sich um:

  • Tonziegel
  • Porensteine
  • Beton
  • Naturstein

handeln. Stahlbeton gehört ebenfalls zu den Baustoffen im Massivhausbau. Um eine möglichst gute Wärmedämmung bereits durch die verwendeten Materialien für das Mauerwerk zu erreichen, sind Volltonziegel kaum noch im Einsatz. Porensteine bzw. Hohlziegel verringern den Durchgangswert für thermische Energie und damit Wärmeverluste.

Um diese Eigenschaft des Mauerwerks noch weiter zu verbessern, greift die Branche inzwischen zu plan geschliffenen Steinen, die im Dünnbettverfahren verarbeitet werden. Hier verringert sich der Mörteleinsatz, was Wärmebrücken reduziert. Teilweise werden die Steine im Massivbau inzwischen auch geklebt.

Sofern Ihr Neubau mit entsprechend modernen Ziegeln oder Porenbeton errichtet wird, kann unter Umständen sogar auf eine zusätzliche Dämmschicht verzichtet werden. Generell ist anzuraten, sich mit beiden Optionen zu beschäftigen, um zu schauen, was am besten passt.

Vorteile beim Massivhaus

An dieser Stelle halten Sie die Vor- und Nachteile der Massivbauteile nebeneinander. Ohne dieses Wissen ist keine fundierte Entscheidung als Bauherr möglich.

Vorteile der Massivbauweise fürs Eigenheim:

  • Schallschutz normalerweise deutliche besser als im Leichtbau
  • Mineralische Baustoffe sind gegen Nässe und Schimmel unempfindlich
  • Brennbarkeit nicht gegeben
  • Speichereigenschaften des Baumaterials.

Letztgenannter Punkt bezieht sich auf die Temperatureigenschaften. Durch die Speicherfähigkeit verhält sich ein Massivbau deutlich besser. In den Wintermonaten kühlt das Haus weniger stark aus, was den Bedarf an Heizenergie senkt. Sommerhitze ist im Innenraum noch sofort spürbar.

Hinsichtlich der Brennbarkeit darf im Massivbau kein falscher Eindruck entstehen. Holz, welches fürs Dach verwendet wird, ist natürlich entflammbar. In der Vergangenheit als Risikofaktor entpuppt, hat sich Dämmung aus Polystyrol.

Aber: Sie können sich in der Planung auch für andere Dämmmaterialien entscheiden – etwa auf Basis von Mineralwolle. Komplett anders gehen Sie an das Thema mit Dämmziegeln oder zweischaligem Mauerwerk heran. Es gibt also viele Möglichkeiten, dieses Problem zu umgehen.

Nachteile beim Massivhaus

Natürlich gibt es einige Punkte, welche sich die massive Bauweise gegenüber anderen Hausvarianten als Nachteil anrechnen lassen muss.

Nachteile der Massivbauweise:

  • Planungsaufwand ist oft deutlich höher
  • Bauzeit nimmt deutlich größeren Umfang ein
  • Baukosten sind im direkten Vergleich schnell höher
  • Nichteinhaltung der Trocknungszeit kann sehr problematisch werden

Tipp: Was viele Nachteile in der Praxis wieder aufwiegen kann, ist die hohe Wertbeständigkeit. Viele Haustypen, die im Leichtbau entstehen, halten an dieser Stelle nicht mit. Als Bauherr müssen Sie sich im Vorfeld überlegen, welche Eigenschaften besonders wichtig sind. Eine Bauzeit von wenigen Wochen ist bei der herkömmlichen Massivbauweise kaum realistisch. Es gibt ein kleines „Schlupfloch“ – die Errichtung eines Massivbau-Fertigteilhauses. Hier beschleunigt der modulare Aufbau den Bau vom Spatenstich bis Einzug erheblich.

2. Leichtbauweise: Kurze Bauzeit, geringe Kosten, aber auch geringere Lebensdauer

Bauherren wollen eines: Schnell in die eigenen vier Wände ziehen. Bis ein Massivhaus steht, vergehen Monate. Bei individueller Planung mit einem Architekten und hohen Ansprüchen geht es schnell auch um Jahre. Wer nicht so lange warten will, kann das Ganze über den Haustyp steuern. In Leichtbauweise erstellte Häuser sind meist in einem Bruchteil der Zeit fertiggestellt.

Grundsätzlich fasst die Leichtbauweise verschiedene Bautypen zusammen. Hierzu gehören unter anderem:

  • Ständerbauweise
  • Skelettbauweise
  • Holzmassivhaus.

Basis der Leichtbauweise ist die Verwendung von Baustoffen wie Holz. Diese werden hier auf unterschiedliche Weise eingesetzt. In der Ständerbauweise ruht die Auflast nicht auf Wänden, sondern durchgehenden Balken – den sogenannten Ständern. Hiermit lassen sich sehr offene Grundrisse auch im Fertighaussegment realisieren.

Ganz anders das Holzmassivhaus. Bei dessen Bau werden miteinander verleimte Holzlagen verwendet. Hierdurch entsteht ein kompaktes Gebäude, das sich allerdings deutlich schneller als herkömmliche Massivhäuser errichten lässt.

Vorteile der Leichtbauweise

Einzig aufgrund des Zeitfaktors haben Häuser in Leichtbauweise in der Vergangenheit nicht so stark an Bedeutung gewonnen. Es ist am Ende die Summe aller Vorteile.

Vorteile der Häuser in Leichtbauweise:

  • Bauzeit gegenüber dem Massivhaus wesentlich kürzer
  • Planungsaufwand geringer, da häufig in modularen Systemen vorgefertigt
  • Trocknungszeit entfällt, da die Häuser oft aus Holz gefertigt werden
  • Individualisierung möglich
  • Kosten sind gegenüber dem Massivbauhaus oft deutlich niedriger.

Je nach Bautyp fallen die Vorteile teils recht unterschiedliche aus. Ein Haus im Leichtbau kann auch als Holzmassivhaus errichtet werden. Hierdurch wirkt es relativ kompakt. Ständer- und Skelettbauweise erlauben auf der anderen Seite eine sehr offene Gestaltung. Mit diesem Haustyp lassen sich individuelle Gestaltungskonzepte realisieren.

Nachteile der Leichtbauweise

Wie der Massivhausbau hat auch ein Haus in Leichtbauweise zwei Seiten. Zu den Nachteilen gehört eine häufig schlechtere Lärmisolierung. Wollen Bauherren das Äquivalent zur Schallisolierung der Massivhäuser erreichen, braucht es zusätzliche Maßnahmen.

Nachteile der Leichtbauweise im Überblick:

  • Wertverlust höher als beim Massivhaus
  • Leichtbauweise kein effizienter Energiespeicher
  • Anpassungen und Änderungen bei bestehender Immobilie schwierig
  • Schwierigkeiten hinsichtlich der Luftdichtigkeit

Angesichts der unterschiedlichen Bauausführungen ist auch hier wieder eine individuelle Betrachtung sinnvoll. Zwischen dem Holztafelbau und dem Ständerbauwerk gibt es durchaus Unterschiede – etwa hinsichtlich des Wärmeaspekts. Durch die Ständerbauweise ist die Verlockung groß, bodentiefe Fensterfronten einzubauen, was dem Raum mehr Qualität bietet – gleichzeitig aber auch die Thermoregulation maßgeblich beeinflusst.

Wann lohnt sich was?

Für welche Hausvariante werden Sie sich entscheiden? Maßgebend sind grundsätzlich individuelle Rahmenbedingungen. Legen Sie sehr viel Wert auf eine gute Wärmeregulation und die schallisolierenden Eigenschaften?

Schwebt Ihnen als Heimwerker vor, in Zukunft selbst Hand anzulegen und Modernisierungen zu stemmen? Unter diesen Voraussetzungen betrachtet ist das Massivhaus eher interessant. Auf der anderen Seite muss klar sein, dass Bauherren damit einen höheren Aufwand und Mehrkosten zu stemmen haben.

Auf der anderen Seite gibt es Haushalte, die wollen möglichst schnell umziehen, und achten eher auf die Kosten. In diesen Punkten spricht die Entscheidung eigentlich eher für das Leichtbauhaus.

Dafür müssen Sie in Kauf nehmen, dass Wertsteigerungen größtenteils geringer ausfallen. Ist die schnelle Errichtung wichtiger, verzichten Sie im Gegenzug auf die Möglichkeit, das Haus später großzügig umzubauen.

Tipp: Überlegen Sie sich vorher genau, was Sie sich wünschen und was Ihre finanziellen sowie persönlichen Rahmenbedingungen erlauben. Auf Basis dieser Informationen können Sie sich später deutlich einfacher für die passende Bauweise entscheiden. 

Fertighaus als alternative Bauweise?

Geht es ums neue Eigenheim, taucht ein Haustyp fast schon unweigerlich auf – das Fertighaus. Diesen Begriff dürfen Sie nicht falsch verstehen. Eigentümer bekommen nicht einfach ein fertiges Haus vor die Nase gesetzt.

Das Ganze zielt eher auf die Tatsache ab, dass geschosshohe Module vorgefertigt und anschließend zum Bauplatz verbracht werden.

Am endgültigen Standort erfolgt dann nur noch deren Zusammenbau, das fertige Haus entsteht. Was Sie für ein Fertighaus auf jeden Fall brauchen: Eine Bodenplatte oder den Keller. Heute werden auf diese Weise sehr viele Häuser errichtet – vornehmlich im Leichtbau auf Basis von Holz als Baustoff. Auf ein Holzskelett werden außen Platten und innen Gipskartonplatten angebracht. Das Innere verfüllen die Hersteller mit Dämmmaterial.

Alle Bauteile werden auf Kundenwunsch gefertigt, was in der Planung einen gewissen Gestaltungsspielraum erlaubt. Nachträglich sind Änderungen dagegen schwierig. Fertigteilhäuser werden auch in Massivbauweise angeboten.

Hier erfolgt die Fertigung von Blähton-, Mauerwerk- oder Stahlbeton-Elementen im Werk. Nach dem Transport zum Bauplatz können die einzelnen Module entsprechend eines Schemas errichtet werden. Hier verbinden sich die Vorteile der massiven Bauweise mit der Schnelligkeit und Flexibilität der Leichtbauweise. Damit kann das Fertighaus durchaus eine Alternative sein.

Aber: Die allgemein hohe Nachfrage bekommen auch deren Hersteller zu spüren. Mittlerweile macht sich dieser Trend auch daran bemerkbar, dass zwischen der ersten Idee und der Ausführung mehrere Monate liegen. Planen Sie deshalb auch für den Bau eines Fertighauses einen zeitlichen Puffer ein, um am Ende nicht in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Verzögerungen beim Bau können nämlich zu Bereitstellungszinsen bei der Baufinanzierung führen.

Tipp: Was die Kosten für ein Fertighaus wesentlich beeinflusst, ist der Baugrund. Kostengünstig kommen Sie mit einer simplen Bodenplatte weg. Ein Unterkellern ist hingegen deutlich aufwendiger. Sie müssen die Baugrube vorbereiten, das Fundament setzen und die Kellerdecke für den Aufbau des Fertighauses vorbereiten. Dafür haben Sie unter dem Strich auch mehr Wohn- oder Lagerraum.

Fazit: Für jeden Geschmack das richtige Haus

Wer sich fürs Eigenheim interessiert, muss eine ganze Reihe Fragen klären. Es braucht ein passendes Grundstück. Gleichzeitig wird es nur in seltenen Fällen gelingen, den Traum vom Eigenheim ohne fremdes Kapital von der Bank wahr werden zu lassen. Wie teuer die Wunschimmobilie wird, hängt nicht nur von Lage und Ausstattung ab.

Über die Bauweise entscheiden Sie im Wesentlichen mit, was der Hausbau kostet. Angehende Eigenheimbesitzer können solide in Massivbauweise bauen – oder versuchen über den Leichtbau schnell in die eigenen vier Wände einzuziehen. Letzterer ist im Fertigteilsegment verbreitet.

Dass Sie hier Wohnkomfort abgeben müssen, lässt sich pauschal nicht bestätigen. Egal, was Ihnen beim Bau Ihres Traumhaueses wichtig ist – es wird ganz sichere eine passende Immobilie für Sie geben.

Thomas Mücke

Thomas Mücke

Jahrgang 1975

Diplom Verwaltungswirt FH - Polizei

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Referenzen

  • 10 Jahre Kriminalpolizei im Dezernat Wirtschaftskriminalität
  • über 13 Jahre Erfahrung in der Kredit-Beratung
  • kennt persönlich die Geschäftsführer von Check24, Smava, Finanzcheck, Bon Kredit, Maxda und Creditolo

Lebenslauf

Während seines Studiums startete Thomas Mücke als Geschäftsführer eines Investmentclubs. Seit nunmehr 13 Jahren ist er in der onlinebasierten Kredit-Beratung tätig und hat tausenden von Lesern helfen können. Seit Gründung der TM Internetmarketing GmbH konnten sich über die kredit-zeit.de und weitere Kredit-Portale bereits über 5 Millionen Leser informieren. Über 100.000 Kunden konnte zudem zu einer Kreditanfrage verholfen werden.