Kreditrückzahlungen ohne Stress – Liquiditätsplanung

Immer wieder kann es passieren, dass ein Kredit die Lösung aus einer finanziellen Notlage darstellt oder eine außerplanmäßige Investition finanziert werden will. Was bei Unternehmen und Gründern ein absolutes Muss bei der Finanzplanung darstellt, vernachlässigen viele private Kreditnehmer oft sträflich: die Liquiditätsplanung.

Die Folge: Die Kreditraten sind zu hoch bemessen und lassen kaum Spielraum, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Abhilfe schafft hier eine vorausschauende Liquiditätsplanung, im privaten Bereich häufig auch als Haushaltsplan bezeichnet.

Was bedeutet Liquiditätsplanung?

Liquidität lässt sich umgangssprachlich übersetzen mit „flüssig sein / bleiben“. Das bedeutet zunächst nicht mehr, als zu jedem Zeitpunkt über ausreichende finanzielle Mittel zu verfügen, um nicht in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. Das betrifft die regulären Lebenshaltungskosten ebenso wie unerwartete Anschaffungen, die notwendig sind.

Im Hinblick auf eine zügige Tilgung des Ratenkredits berechnen viele Menschen die monatlichen Raten, ohne eventuelle Unwägbarkeiten zu berücksichtigen. Sie vergessen bei der Berechnung der monatlichen Kreditraten, dass es immer zu Situationen kommen kann, in denen Geld benötigt wird, das im Alltag nicht eingeplant ist. Die Folge: Jedes ungeplante Ereignis führt zu Zahlungsschwierigkeiten. Das gilt es zu verhindern.

Welche Faktoren sind bei der Liquiditätsplanung zu berücksichtigen?

Bei der Liquiditätsplanung spielen sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben eine Rolle. Diese werden gegeneinander gerechnet, um zu ermitteln, wann wie viel Geld verfügbar ist.

Ausgaben

Gegenstand einer Liquiditätsplanung sind zunächst alle regelmäßig anfallenden Kostenpunkte über die gesamte Kreditlaufzeit (im Gegensatz dazu planen Unternehmen in der Regel für mindestens drei Monate, besser aber für ein Jahr).

  • Mietkosten
  • Nebenkosten
  • Strom und ggf. Wasser
  • Lebensmittel, Bekleidung und Hygieneartikel, wobei hier ein monatlicher Durchschnittssatz ermittelt wird
  • Vereinsbeiträge, Fitnessstudio
  • Freizeitaktivitäten (Kino, Konzerte, Essen gehen etc.) – auch hier erfolgt eine Schätzung anhand von Erfahrungswerten
  • Benzinkosten
  • Kindergarten-/Hortbeiträge
  • monatliche Kosten für Telefon, Internet und Mobiltelefon
  • Parteimitgliedschaften
  • GEZ-Gebühren
  • Kontoführungsgebühren

Unternehmer, die Angestellte beschäftigen, müssen zudem die Personalkosten inklusive der Lohnnebenkosten sowie regelmäßig anfallende berufliche Versicherungen in die Planung einbeziehen. Das kann eine Betriebshaftpflicht oder Unfallversicherung sein oder auch Beiträge zur Berufsgenossenschaft oder zu anderen Verbänden beinhalten. Hinzu kommen außerdem Reisekosten und Betriebsbedarf. Abschreibungen werden dabei nicht berücksichtigt, da sie nicht ausgabewirksam sind.

Zu berücksichtigen sind außerdem Kosten, die nur selten im Jahr anfallen. Das kann die Haftpflichtversicherung ebenso sein wie die Steuer für das Kraftfahrzeug.

Bei Unternehmern fällt regelmäßig eine Einkommensteuervorauszahlung an. Hier gilt es, die Zahlungen entweder regelmäßig zu berücksichtigen oder direkt mit den Nettoeinnahmen exklusive der voraussichtlichen Einkommensteuer zugrunde zu legen – es ist aber auch möglich, die Steuer gesondert als Rücklage bis zum Zahlungstermin zur Seite zu legen.

Einnahmen

Neben den Ausgaben werden die Einnahmen in der Liquiditätsplanung berücksichtigt. Das ist das reguläre Gehalt bzw. bei Selbstständigen oder Freiberuflern das durchschnittliche Nettoeinkommen sowie zusätzliche Boni wie das Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Alternativ gelten auch Renten, das Arbeitslosengeld oder Hartz4-Bezüge als regelmäßige Einkommen. Hinzu kommen außerdem Einnahmen aus der Vermietung von Wohn- oder Gewerberaum, Kindergeld, Jobs des Partners/der Partnerin oder regelmäßige Renditen.

  • Lohn, Gehalt, Rente oder ALG
  • Kindergeld
  • Unterhaltszahlungen
  • Mieteinnahmen
  • Elterngeld
  • Zinserträge aus Sparguthaben

Unwägbarkeiten

Es können sich stets Änderungen ergeben, die Einfluss auf die finanzielle Situation haben. Das mag ein Umzug sein, mit dem ein Jobwechsel einhergeht, eine Schwangerschaft oder die Reduzierung der Arbeitsstunden, durch die das Gehalt sinkt. Vor allem bei befristeten Verträgen ist eine vorsichtige Rechnung wichtig. Klar, dass sich solche Veränderungen nicht in fixen Zahlen in der Planung berücksichtigen lassen. Besteht die Möglichkeit, dass ein solcher Fall eintritt – was gerade bei längeren Kreditlaufzeiten einzukalkulieren wäre – empfiehlt es sich, einen ausreichenden Puffer einzuplanen.

  • Schwangerschaft – und damit Wegfall eines Haushaltseinkommens
  • betriebsbedingte Veränderungen der Arbeitszeitmodelle
  • befristete Arbeitsverträge – schlimmstenfalls Wegfall der Beschäftigung und Bezug von ALG

Positive Veränderungen wie Erbschaften, Gehaltserhöhungen oder Beförderungen fließen nicht in die Berechnung ein bzw. können im Falle ihres Eintretens dazu genutzt werden, um den Plan anzupassen und gegebenenfalls Sondertilgungen vorzunehmen.

Zeitpunkt der Zahlungen

Um auch wirklich eine dauerhafte Liquidität zu gewährleisten, reicht es nicht aus, die Einnahmen und Ausgaben gegenüberzustellen. Wichtig ist auch jeweils der Zeitpunkt, wann eine Zahlung fällig ist. So ist es eher ungünstig, wenn das Urlaubsgeld im Juni eingeht, die Versicherung jedoch im Mai bezahlt werden will. Nur wer hier den Überblick behält und Rücklagen bildet, um anstehende Zahlungen dann auch bedienen zu können, bleibt dauerhaft liquide.

Beispielrechnung

Im folgenden Beispiel geht Tim Vollzeit arbeiten, seine Frau Else hat einen 450-Euro-Minijob. Sie bekommen monatlich Kindergeld für ein Kind, Tim erhält zusätzlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Zudem vermieten sie eine Wohnung, die monatlich weitere Einnahmen generiert.

Neben den Lebenshaltungskosten unterhalten die beiden ein Fahrzeug, Else ist in einem Verein tätig, das Kind besucht einen Kindergarten. In ihrer Freizeit gehen die Eheleute gern ins Kino oder abends essen. Die Kfz-Versicherung beträgt jährlich 500 Euro, Haftpflicht und Hausrat 120 Euro. Für Autoreparaturen plant Tim aus der Erfahrung halbjährlich 500 Euro ein. Tims Kreditkarte kostet jährlich 30 Euro, Else nutzt eine Monatskarte des ÖPNV.

Das Paar benötigt einen Kredit zur Anschaffung eines Wohnmobils, mit dem die drei künftig in den Urlaub fahren möchten. Die Kreditsumme beträgt 40.000 Euro.

Monat 1 Monat 2 Monat 3 Monat 4 Monat 5 Monat 6 Monat 12
Einnahmen
Arbeitslohn Tim 2.400 2.400 2.400 2.400 2.400 2.400 2.400
Minijob Else 450 450 450 450 450 450 450
Kindergeld 194 194 194 194 194 194 194
Urlaubsgeld 800 800
Mieteinnahmen 410 410 410 410 410 410 410
Einnahmen gesamt 3.454 3.454 3.454 3.454 3.454 4.254 4.254
Ausgaben
Miete 750 750 750 750 750 750 750
Nebenkosten 200 200 200 200 200 200 200
Lebensmittel 400 400 400 400 400 400 400
Versicherungen 100 100 600 100 100 220 100
Kfz-Steuer 250
Reparaturen 500 500
Vereinsbeitrag 15 15 15 15 15 15 15
Kindergarten 80 80 80 80 80 80 80
Freizeit 200 200 200 200 200 200 200
Bekleidung 200 200 200 200 200 200 200
Benzinkosten 80 80 80 80 80 80 80
ÖPNV 80 80 80 80 80 80 80
Strom 50 50 50 50 50 50 50
Telefon / Mobil 50 50 50 50 50 50 50
GEZ 18 18 18 18 18 18 18
Konto / Kreditkarte 15 15 15 15 15 15 45
Ausgaben gesamt 2.238 2.488 2.738 2.238 2.238 2.858 2.768
monatlicher Überschuss 1.216 966 716 1.216 1.216 1.396 1.486
Kreditrate inkl. effektiver Jahreszins von 2 % 870 870 870 870 870 870 870
kumuliert 346 442 288 634 980 1.506 7.022

(in der Darstellung sind die Monate 7–11 ausgeblendet, bei der Rücklagenbildung jedoch unter der Annahme berücksichtigt, dass hier jeweils die gleichen Daten wie für Monat 5 gelten)

Bei der Berechnung zeigt sich ein monatlicher Überschuss von 700 bis 1.500 Euro, d. h., die monatlichen Ausgaben schwanken und entsprechend sollten die Kreditraten geplant werden.

Nach eingehender Recherche entscheiden sich Else und Tim für einen Onlinekredit mit einer Laufzeit von 48 Monaten bei einem effektiven Jahreszins von 2 %. So ergibt sich eine monatliche Kreditrate von 870 Euro inklusive des effektiven Jahreszinses. Abzüglich des monatlichen Überschusses ergibt sich so ein monatlicher Restwert, der kumuliert werden kann. Dadurch lässt sich ablesen, dass die Familie im Jahr 7.000 Euro Rücklagen bilden kann.

Für die Berechnung der eigenen Ausgaben ist stets eine individuelle Anpassung nötig. Dabei ist es hilfreich, die Kontobewegungen als Grundlage für monatliche Ein- und Ausgaben zur Hand zu nehmen. Vor allem Selbstständige und Freiberufler, Gründer in spe oder ALG-Empfänger, die in naher Zukunft eine Arbeitsaufnahme anstreben, sind dabei vielen Planungsunsicherheiten ausgesetzt. Hier lohnt es sich, den Plan immer wieder zu aktualisieren und an die Gegebenheiten anzupassen.

Bestimmung der Kreditrate

Die Höhe der Kreditrate ergibt sich nicht einzig aus der Tilgungsrate. Auch der effektive Jahreszins und gegebenenfalls zusätzlich anfallende Gebühren müssen bei der Festlegung berücksichtigt werden. Hier lohnt sich ein Vergleich, da der Zinssatz variieren kann – was bei einer Kreditsumme von 40.000 Euro und einer Laufzeit von vier Jahren schon bei 1 % fast 1.000 Euro ausmacht. Positiv ist außerdem, die Möglichkeit zu kostenlosen Sondertilgungen zu haben, falls sich die finanzielle Lage im Lauf der Kreditlaufzeit zum Positiven verändert.

Liquiditätstabellen ermöglichen nach der Eingabe der fixen und variablen Kosten sowie der Einnahmen ein einfaches Testen verschiedener Kredithöhen. Wichtig ist dabei, dass am Ende nie eine negative Zahl in der Zeile der kumulierten Rücklagen erscheint.

Fazit

Eine Liquiditätsplanung scheint mit erheblichem Aufwand verbunden zu sein. Am Ende lohnt es sich jedoch, die Mühe einmal auf sich zu nehmen und dafür die Gewissheit zu haben, dass der Kredit genug finanziellen Spielraum lässt, damit auch bei unerwarteten Ereignissen ausreichend Geld zur Verfügung steht.