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Werbungskosten prüfen, bevor Sie einen Kredit aufnehmen

Werbungskosten im Rechenbeispiel: 30 Kilometer Arbeitsweg, 220 Arbeitstage, davon 50 im Homeoffice, Notebook 900 Euro. Eigene Berechnung nach §§ 4, 9, 9a EStG.

Die Finanzämter haben für das Steuerjahr 2022 laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 1.240 Euro erstattet. Von 15,2 Millionen veranlagten Arbeitnehmern bekamen 13,2 Millionen Geld zurück. Der Schnitt täuscht aber. Von denen, die etwas zurückbekamen, lagen 53 Prozent zwischen 100 und 1.000 Euro, 8 Prozent bekamen weniger als 100 Euro. Günstiger als ein Kredit ist dieses Geld trotzdem, denn es ist zu viel einbehaltene Lohnsteuer und kostet keine Zinsen. 15 Monate nach Ablauf des Steuerjahres wirft es sogar selbst Zinsen ab, 0,15 Prozent je Monat (§ 233a und § 238 Abs. 1a AO). Bis zum Bescheid warten kann aber nicht jeder. Dann stellt sich die teurere Frage: welcher Kredit, zu welchem Zins.

Was das Finanzamt zurückzahlt

Vom Arbeitslohn zieht das Finanzamt automatisch einen Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro ab (§ 9a EStG). Belege brauchen Sie dafür nicht. Berufliche Ausgaben, die im Steuerrecht als Werbungskosten gelten, mindern Ihr zu versteuerndes Einkommen deshalb erst, wenn sie zusammen über diesem Betrag liegen. Ab 2026 gilt eine Ausnahme, die Gewerkschaftsbeiträge. Wo im Folgenden kein Jahr steht, gilt der Betrag für 2025 und 2026.

Selbst das schnellste Bundesland braucht Wochen. Hessen meldet für die Erklärungen des Jahres 2024 einen Rekordwert von durchschnittlich rund 41 Tagen. Die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen bearbeitet knapp 95 Prozent aller Einkommensteuererklärungen in zwei Wochen bis vier Monaten. Dazu kommt der späte Start, denn vor März veranlagen die Ämter in aller Regel gar nicht. Bei einer Rechnung, die in zwei Wochen fällig ist, hilft die Erstattung nicht.

Pendlerpauschale und Homeoffice

Für 2025 gibt es je Arbeitstag 0,30 Euro für jeden der ersten 20 Kilometer der einfachen Strecke und 0,38 Euro ab dem 21. Kilometer (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG). Seit dem 1. Januar 2026 sind es 0,38 Euro ab dem ersten Kilometer, unbefristet (Steueränderungsgesetz 2025, BGBl. 2025 I Nr. 363). Ansetzen dürfen Sie nur Tage, an denen Sie tatsächlich ins Büro gefahren sind. Urlaubs- und Krankheitstage zählen nicht. Die Pauschale ist auf 4.500 Euro im Jahr begrenzt, es sei denn, Sie fahren mit dem eigenen oder einem überlassenen Auto. Bahnfahrer dürfen statt der Pauschale die tatsächlichen Ticketkosten ansetzen, wenn diese im Kalenderjahr insgesamt höher ausfallen (§ 9 Abs. 2 Satz 2 EStG).

Nach einer Beispielrechnung der Bundesregierung bringen zehn Kilometer Arbeitsweg bei einer Fünf-Tage-Woche ab 2026 rund 176 Euro mehr Werbungskosten im Jahr.

An Tagen, an denen Sie überwiegend zu Hause arbeiten und nicht ins Büro fahren, gibt es die Tagespauschale von 6 Euro, höchstens 1.260 Euro im Jahr (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6c EStG). Lehrerinnen und Lehrer haben in der Schule meist keinen eigenen Schreibtisch. Wem dauerhaft kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, der bekommt die 6 Euro auch an Tagen, an denen er zusätzlich in die Schule fährt. Beides zusammen geht nicht. Wer die Unterkunftskosten einer doppelten Haushaltsführung oder die Jahrespauschale fürs Arbeitszimmer ansetzt, bekommt die Tagespauschale für dieselben Tage nicht dazu.

Rechenbeispiel mit 30 Kilometern Arbeitsweg

Eine Angestellte wohnt 30 Kilometer von ihrer ersten Tätigkeitsstätte entfernt, also dem Ort, dem ihr Arbeitsvertrag sie dauerhaft zuordnet. Sie arbeitet an 220 Tagen im Jahr, davon 50 im Homeoffice, fährt also an 170 Tagen ins Büro. Im Frühjahr kauft sie ein Notebook für 900 Euro, das sie nur beruflich nutzt. 2025 bringt ein Bürotag 9,80 Euro Werbungskosten: 20 Kilometer zu 0,30 Euro plus 10 Kilometer zu 0,38 Euro. 2026 sind es 11,40 Euro.

Computer und Software sind der einfachste Fall. Sie dürfen dafür eine Nutzungsdauer von einem Jahr ansetzen, und die Finanzverwaltung beanstandet es nicht, wenn Sie den vollen Kaufpreis im Anschaffungsjahr abziehen (BMF-Schreiben vom 22. Februar 2022). Für anderes Arbeitsgerät gilt eine Grenze von 800 Euro netto, bei 19 Prozent Umsatzsteuer also 952 Euro auf der Rechnung (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 7 in Verbindung mit § 6 Abs. 2 EStG). Was mehr kostet, verteilen Sie über die Nutzungsdauer.

PostenRegeln 2025Regeln 2026
Entfernungspauschale (170 Bürotage, 30 Kilometer)1.666 Euro1.938 Euro
Homeoffice-Pauschale (50 Tage)300 Euro300 Euro
Notebook900 Euro900 Euro
Werbungskosten gesamt2.866 Euro3.138 Euro
abzüglich Arbeitnehmer-Pauschbetrag1.230 Euro1.230 Euro
zusätzlich wirksam1.636 Euro1.908 Euro
Steuerentlastung bei 30 Prozent Grenzsteuersatzrund 490 Eurorund 570 Euro

Werbungskosten senken das zu versteuernde Einkommen, nicht die Steuer selbst. Wie viel Sie dadurch sparen, hängt vom persönlichen Grenzsteuersatz ab. In der letzten Zeile sind 30 Prozent angesetzt. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer können die Entlastung erhöhen.

Wer nie im Homeoffice arbeitet, kommt an 220 Bürotagen allein mit der Entfernungspauschale über den Pauschbetrag: 2025 ab 19 Kilometern Arbeitsweg, 2026 schon ab 15.

Umzug, Fortbildung und kleinere Posten

Beruflich veranlasst ist ein Umzug beim Start ins Berufsleben, bei einem Arbeitgeberwechsel, bei einer Versetzung oder bei einer Fahrzeitersparnis von mindestens einer Stunde für Hin- und Rückweg zusammen. Dann zählen die tatsächlichen Kosten, etwa für die Spedition oder den Makler einer Mietwohnung. Dazu kommt eine Pauschale für sonstige Umzugsauslagen. Seit dem 1. März 2024 sind das 964 Euro für Sie selbst und 643 Euro für jede Person, die mit umzieht und weiter in Ihrem Haushalt wohnt.

Die Spedition will ihr Geld lange vor dem Steuerbescheid. Steht das Geld nicht bereit, lässt sich der Umzug per Kredit finanzieren und später mit der Erstattung tilgen. Sondertilgen dürfen Sie bei einem Ratenkredit jederzeit, das erlaubt § 500 Abs. 2 BGB. Die Bank darf dafür eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen, die doppelt gedeckelt ist: auf 1 Prozent des zurückgezahlten Betrags, bei höchstens einem Jahr Restlaufzeit auf 0,5 Prozent, und in keinem Fall auf mehr als die Zinsen, die bis zum vereinbarten Ende noch angefallen wären (§ 502 Abs. 3 BGB). Bei einer Tilgung nach wenigen Monaten greift meist der zweite Deckel. Manche Verträge schließen die Entschädigung ganz aus. Ob Ihrer dazugehört, steht im Preisaushang.

Eine berufliche Fortbildung können Sie in voller Höhe absetzen, einen Höchstbetrag gibt es nicht. Das gilt auch für eine zweite Ausbildung oder ein Studium nach abgeschlossener Erstausbildung (§ 9 Abs. 6 EStG). Eine Erstausbildung oder ein Erststudium außerhalb eines Arbeitsverhältnisses zählt nur als Sonderausgabe bis 6.000 Euro im Jahr. Für die Vorfinanzierung eines Lehrgangs prüfen Sie zuerst die staatliche Förderung und erst danach einen Kredit für die Weiterbildung.

Hinzu kommen kleinere Posten: Berufskleidung, die Sie privat nicht tragen können, Fachliteratur, Beiträge zu Berufsverbänden und Bewerbungskosten, auch wenn die Bewerbung erfolglos blieb. Gewerkschaftsbeiträge zählen ab dem Steuerjahr 2026 zusätzlich zum Pauschbetrag (§ 9a Satz 3 EStG). Für 2025 gilt das noch nicht.

Bei beruflichen Einsätzen auswärts gibt es Verpflegungspauschalen: 14 Euro bei mehr als acht Stunden Abwesenheit ohne Übernachtung, 14 Euro je An- und Abreisetag mit Übernachtung und 28 Euro für volle 24 Stunden. Am selben Einsatzort gibt es die Pauschalen höchstens drei Monate lang. Eine Unterbrechung von mindestens vier Wochen setzt die Frist neu in Gang (§ 9 Abs. 4a Satz 7 EStG).

Kontoführungsgebühren erkennt die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen ohne Nachweis mit 16 Euro im Jahr an. Der Betrag steht jedem Ehe- oder Lebenspartner einzeln zu. Einen Rechtsanspruch darauf haben Sie nicht, es ist Verwaltungspraxis.

Fristen für die Erklärung

Wer zur Abgabe verpflichtet ist und keinen Berater hat, musste die Erklärung für 2025 bis zum 31. Juli 2026 abgeben. Mit Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein läuft die Frist bis zum 1. März 2027. Nach dem Termin darf das Finanzamt einen Verspätungszuschlag verlangen, und 14 Monate nach Ablauf des Steuerjahres muss es ihn erheben. In beiden Fällen sind es je angefangenem Monat 0,25 Prozent der Nachzahlung, mindestens aber 25 Euro (§ 152 Abs. 5 AO). Zur Pflicht wird der Zuschlag nicht, wenn das Amt die Frist verlängert hat, wenn die Steuer auf null oder negativ festgesetzt wird oder wenn die festgesetzte Steuer die einbehaltene Lohnsteuer nicht übersteigt, wenn also unterm Strich eine Erstattung herauskommt (§ 152 Abs. 3 AO).

Ohne Abgabepflicht haben Sie vier Jahre Zeit. Die freiwillige Erklärung für 2022 muss bis zum 31. Dezember 2026 beim Finanzamt eingegangen sein, die für 2025 bis zum 31. Dezember 2029. Alle vier Jahrgänge lassen sich auch auf einmal nachholen.

Wenn die Erstattung nicht hilft

Drei Gründe lassen die Erstattung ins Leere laufen. Der erste ist der teuerste, denn statt Geld zurück kommt eine Nachzahlung. Für 2022 traf das 1,8 Millionen veranlagte Arbeitnehmer, im Schnitt mit 1.263 Euro; bei rechnerisch rund 200.000 blieb es bei null. Der zweite Grund ist das Timing, denn die Rechnung ist fällig, bevor der Bescheid kommt. Der dritte sind Ausgaben, für die das Finanzamt grundsätzlich nichts beisteuert. Private Anschaffungen sind Kosten der Lebensführung (§ 12 Nr. 1 EStG).

Bei einer Nachzahlung können Sie zuerst beim Finanzamt eine Stundung beantragen. Das Amt kann stunden, wenn die Zahlung Sie zum Fälligkeitstermin in ernste Schwierigkeiten brächte und es sicher sein kann, sein Geld später zu bekommen (§ 222 AO). Rechnen Sie mit einem schriftlichen Antrag und damit, dass das Amt eine Sicherheit verlangt. Die Stundung kostet 0,5 Prozent Zinsen je vollem Monat, also 6 Prozent im Jahr (§ 238 Abs. 1 AO). Auf die Zinsen kann das Finanzamt ganz oder teilweise verzichten, wenn ihre Erhebung im Einzelfall unbillig wäre (§ 234 Abs. 2 AO). Beantragen Sie das gleich mit. Lehnt das Amt die Stundung ab, bleibt ein Kredit für eine Steuernachzahlung.

Bis zum Bescheid kostet ein überzogenes Girokonto Dispozinsen. Den aktuellen Durchschnitt für Ratenkredite weist die Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank aus. Ihren eigenen Dispozins nennt das Preis- und Leistungsverzeichnis Ihrer Bank. Eine Überschlagsrechnung zeigt, was der Unterschied wert ist. Bei 2.000 Euro über drei Monate machen 5 Prozentpunkte rund 25 Euro aus. Legen Sie die Rate außerdem so, dass Sie sie auch dann zahlen können, wenn die Erstattung kleiner ausfällt oder erst Monate später kommt.

Zinsen für einen beruflich veranlassten Kredit, etwa für Arbeitsmittel oder eine Fortbildung, sind selbst Werbungskosten. Die Tilgung selbst können Sie nie ansetzen. Für einen Kredit, mit dem Sie die Einkommensteuer nachzahlen, gilt das nicht, denn private Steuerschulden gehören zu keiner Einnahmequelle. Bevor Sie unterschreiben, holen Sie zwei oder drei Angebote und vergleichen den Effektivzins, nicht den Sollzins (Zinsvergleich beim Privatkredit). Stellen Sie die Rate dann Ihren festen Ausgaben gegenüber, denn erst eine Liquiditätsplanung über zwölf Monate zeigt, ob der Monat trägt.

Checkliste für die Belege

  • Arbeitstage im Büro und einfache Entfernung zur ersten Tätigkeitsstätte notieren
  • Homeoffice-Tage im Kalender markieren
  • Rechnungen für Computer, Software und Werkzeug sammeln und aufbewahren, bis der Bescheid bestandskräftig ist
  • Kurs- und Prüfungsgebühren sowie Fachliteratur zusammenstellen
  • Bewerbungskosten festhalten, auch bei Absagen
  • Reisetage mit Abwesenheitszeiten notieren, für die Verpflegungspauschalen
  • Kontoführungsgebühren und Gewerkschaftsbeiträge heraussuchen
  • beim Umzug den beruflichen Anlass belegen, etwa mit Arbeitsvertrag, Versetzung oder eingesparter Fahrzeit
Thomas Mücke

Thomas Mücke

Jahrgang 1975

Diplom Verwaltungswirt FH - Polizei

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Referenzen

  • 10 Jahre Kriminalpolizei im Dezernat Wirtschaftskriminalität
  • über 13 Jahre Erfahrung in der Kredit-Beratung
  • kennt persönlich die Geschäftsführer von Check24 Kredit, Smava, Finanzcheck, Bon Kredit, Maxda und Creditolo

Lebenslauf

Während seines Studiums startete Thomas Mücke als Geschäftsführer eines Investmentclubs. Seit nunmehr 13 Jahren ist er in der onlinebasierten Kredit-Beratung tätig und hat tausenden von Lesern helfen können. Seit Gründung der TM Internetmarketing GmbH konnten sich über die kredit-zeit.de und weitere Kredit-Portale bereits über 5 Millionen Leser informieren. Über 100.000 Kunden konnte zudem zu einer Kreditanfrage verholfen werden.