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Selbstversorger werden – mit dem eigenen Gemüsegarten

Wo kommen unsere Lebensmittel her und wie was steckt überhaupt drin? Fragen, die sich mit einem eigenen Gemüsegarten erübrigen: Hier pflanzen Sie an, was Ihnen schmeckt und wissen immer ganz genau, was auf den Teller kommt. Wir nähern uns dem Projekt „Eigener Gemüsegarten“ Schritt für Schritt an.

Wie groß soll der Garten werden?

Selbst auf einem kleinen Stadtbalkon lässt sich so manche köstliche Bereicherung des Speiseplans anpflanzen. Für ambitioniertere Selbstversorger braucht es aber selbstverständlich deutlich mehr Fläche für Obst und Gemüse, trotzdem muss man nicht gleich aufs Land ziehen.

Doch wie viel mehr? Das hängt von verschiedenen Aspekten ab: Soll der Speiseplan ausschließlich vegetarisch sein? Wie viele Personen sollen mit dem Selbstangebauten versorgt werden? Wie viel Zeit kann für die notwendigen Arbeiten erübrigt werden?

Nicht ganz unwichtig ist auch die Frage danach, was angebaut werden soll. Kartoffeln etwa haben eine zentrale Rolle in der Ernährung, sind außerdem anspruchslos – benötigen aber sehr viel Platz.

  • Pro erwachsene Person braucht es mindestens 70 Quadratmeter Fläche, um eine weitgehende Selbstversorgung (bei der Fleisch und andere Lebensmittel zugekauft werden) ohne Kartoffeln zu gewährleisten. Für Kinder bis zum Teenager-Alter ungefähr die Hälfte.
  • Für eine vollständig autarke Eigenversorgung mit einer rein vegetarischen Ernährung muss mit etwa 200 Quadratmetern pro Kopf gerechnet werden.

Nicht berücksichtigt sind bei diesen Zahlen die Wege zwischen den Beeten, Platz für Kompost, etwaige Werkzeug-Unterbringung und dergleichen.

Der ideale Standort für den Selbstversorger-Garten

Eine vierköpfige Familie, die in erster Linie ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen möchte, müsste demnach mindestens 280 Quadratmeter Gartenfläche zur Verfügung haben.

Ideal ist es natürlich, diesen Platz gleich hinter dem Haus zu haben. Ansonsten gibt es durchaus Alternativen: Gartengrundstücke finden sich zum Beispiel häufig in Stadtrandlagen und in ländlichen Gebieten. Sie können entweder gepachtet oder gekauft werden.

Allerdings ist nicht jede Lage geeignet. Wichtig sind folgende Aspekte:

  • Nah am Wohnort, um den Garten täglich ohne großen Zeitaufwand zu erreichen.
  • Bestenfalls von Sonnenauf- bis -untergang ohne Abschattung (durch Bäume oder Gebäude) beschienen.
  • Lehm- oder Sandboden ohne Staunässe oder gar Überflutungsgefahr.
  • Ebenerdig oder leicht abfallend, jedoch nicht nach Norden (sonst droht Sonnenmangel).
  • Möglichst kein bestehender Baumbewuchs, der den Boden zu stark durchwurzelt – das erschwert das Anlegen von Beeten.

Alle diese Punkte sollten für einen möglichst ertragreichen Garten erfüllt sein. Wurde das Grundstück bereits zuvor gärtnerisch oder landwirtschaftlich genutzt, können Sie von guten Bedingungen ausgehen.

Im Zweifelsfall wenden Sie sich mit einer Bodenprobe an die zuständige Landwirtschaftskammer. Die kann Ihnen unter anderem Auskunft über Nährstoffwerte und Ratschläge für die Düngung geben.

Vor dem ersten Spatenstich: Die Gartenplanung

Ein Obst- und Gemüsegarten muss nicht in erster Linie besonders schön, sondern zweckmäßig werden. Beim Anlegen der Beete ist deshalb nicht Ästhetik, sondern die Fruchtfolge der Pflanzen maßgeblich. Schließlich soll der Boden langfristig Erträge liefern und nicht überbeansprucht werden.

Wichtige Grundlage bei der Gartenplanung sind deshalb die vier Kategorien des Nährstoffbedarfs, in die sich alle Gartenpflanzen einordnen lassen:

  1. Starkzehrer
  2. Mittelzehrer
  3. Schwachzehrer
  4. Standorttreue Pflanzen (etwa Fruchtsträucher)

Die „Dreifelderwirtschaft“ funktioniert nach genau diesem unterschiedlichem Nährstoffbedarf. Sie sorgt dafür, dass sich der Boden in einem Beet in einem Rhythmus von vier Jahren immer wieder erholen kann.

Dazu gehört auch, dem Beet nach der Bepflanzung mit Starkzehrern, Mittelzehrern und Schwachzehrern ein Jahr mit Gründüngung (etwa mit Wildblumen) zu gönnen.

Diese wird am Ende der Saison gemulcht oder in den Boden eingearbeitet – und füllt die Nährstoffe im Beet wieder auf.

Unsere Infographik für den Selbstversorger
Unsere Infographik für den Selbstversorger

Hier hat sich für das generelle Layout das „Kreuzgang-Prinzip“ bewährt. Die Beetfläche wird kreuzförmig von zwei Wegen durchschnitten, sodass vier gut zugängliche Rechtecke entstehen.

Lassen Sie daneben noch ausreichend Platz für standorttreue Pflanzen. Setzen Sie diese möglichst in Nordlage des Gartens ein – so vermeiden Sie, dass die Beete zu viel Schatten abbekommen.

Etwa fünf Quadratmeter sollten Sie zudem für einen Komposthaufen einplanen. Für Obstbäume gilt ebenfalls ein ausreichender Mindestabstand von den Gemüsebeeten.

Entscheidungshilfen für Anfänger

Wer ohne Vorkenntnisse und Erfahrungen einen Selbstversorger-Garten anlegen möchte, sollte sich vor den ersten Arbeiten eingehend mit der Thematik auseinandersetzen. Denn die Beete nach der oben beschriebenen Methode anzulegen macht den Gemüsegarten keineswegs zum Selbstläufer.

Damit der Garten effektiv genutzt, dabei der Boden aber nicht übermäßig beansprucht wird, will die Zusammenstellung der Gemüsepflanzen wohl überlegt sein.

Wenn Ihre bevorzugten Gemüsesorten vornehmlich Starkzehrer sind, liefert der Boden schon nach kurzer Zeit nicht mehr genügend Nährstoffe für die erhoffte reiche Ernte.

Hilfestellungen finden Anfänger selbstverständlich im Internet, ansonsten lohnt sich auch der Griff zur bewährten Fachliteratur immer noch:

  • „Gärtner Pötschkes Großes Gartenbuch“ ist ein Klassiker, der über alles Wissenswerte rund um den Garten informiert.
  • Historisches Dokument und immer noch aktuelle Anleitung für Selbstversorger – und solche, die es gerne werden wollen – ist außerdem „Der Küchen- und Blumengarten“ von Henriette Davidis.

Beide Werke geben einen umfangreichen Einblick in die Bedürfnisse der verschiedenen Gemüsepflanzen, die Fruchtfolgen im Jahresverlauf und die Möglichkeiten von Mischkulturen. Für Anfänger deshalb nach wie vor eine empfehlenswerte Lektüre zur Vorbereitung.

Die Qual der Wahl beim Zuchtgrad

Gemüsepflanzen sind nicht gleich Gemüsepflanzen. Das gilt für die Landwirtschaft genauso wie für den heimischen Gemüsegarten.

Eine nicht unwichtige Frage ist daher, wie weit die Pflanzen für den Eigenbedarf gezüchtet sein sollen.

  1. Hybridpflanzen sollen die besten Erträge liefern und sind deswegen besonders robust gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Allerdings bilden diese Pflanzen teilweise gar keine Samen mehr aus, die für die Aussaat im nächsten Jahr verwendet werden könnten.
  2. Samenfeste Pflanzen, zum Beispiel solche, die zu den „alten Sorten“ gezählt werden, liefern zwar durchschnittlich weniger Erträge, dafür aber das eigene Saatgut. Sie sind dafür anfälliger und weniger robust bei Schädlingsbefall oder Krankheit.

Hier müssen die jeweiligen Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. Unerfahrenen Gärtnern kommen die Hybride sicher entgegen, denn sie verzeihen gärtnerische Anfängerfehler eher als samenfeste Pflanzen.

Auf der anderen Seite ist es natürlich ein großer Anreiz, die Samen für die nächste Saison nicht jedes Mal aufs Neue einkaufen zu müssen.

Wir helfen Ihnen bei der Wahl der Gemüsepflanzen
Wir helfen Ihnen bei der Wahl der Gemüsepflanzen


Darüber hinaus gilt in beiden Fällen: Ernteausfälle – etwa durch Wühlmäuse, überraschenden Bodenfrost oder ähnliches – können immer vorkommen.

Motorisierte Hilfsmittel

Je größer der Selbstversorgergarten, desto mehr Arbeit kommt auf die Hobbygärtner zu – und das gilt nicht nur für das erste Anlegen des Gartens. Selbst die fittesten Freizeitbauern können da schnell an ihre körperlichen Grenzen kommen, wenn alle Arbeiten von Hand erledigt werden.

Ein wenig motorisierte Hilfe ist deshalb mindestens eine Überlegung wert. Ein benzingetriebene Motorhacke beispielsweise ist für größere Gartenflächen bestens geeignet, kommt selbst mit festgetretenem, durchwurzeltem Boden zurecht und kann auch dann noch eingesetzt werden, wenn die Beete fertig angelegt wurden.

Für ein Markengerät müssen Sie allerdings ab 500 Euro veranschlagen. Achten Sie darauf, dass eine ansteckbare Pflugschar zum Zubehör gehört – die ist nicht nur für das Anlagen von Beeten hilfreich, sondern auch als Häufelpflug nützlich.

Wer es danach mit der Motorisierung belassen will, benötigt außerdem folgende Ausstattung:

  • Durchwurfgitter
  • Forke/Mistgabel
  • Grabgabel oder Sauzahn
  • Grubber
  • Hacke
  • Pflanzeisen
  • Rechen
  • Schaufel (mit Frankfurter Blatt, also vorn abgerundet)
  • Schnur für gerade Pflanzlinien
  • Spaten

Dazu gerne auch Schaufel und Grubber in einer kleinen Einhand-Ausführung. Bei manchen Gerätschaften kann es außerdem sinnvoll sein, wenn sie mehrfach vorhanden sind: So können mehrere Familienmitglieder gleichzeitig arbeiten.

Eine letzte wichtige Anschaffung ist eine hochwertige Schubkarre, die sich in vielen Situationen schnell bewähren wird.

Hier ist es ratsam, auf höherpreisige Qualität zu setzen – und im Idealfall auf Vollgummireifen. So müssen Sie selbst bei größter Beanspruchung keinen platten Reifen fürchten.

Nichts geht ohne Wasserversorgung


Wer das richtige Stückchen Land für dieses Vorhaben hinter seinem eigenen Haus findet, kann sich in Sachen Bewässerung entspannt zurücklehnen: Die Dachfläche bietet genügend Möglichkeiten, um Regenwasser aufzufangen, ansonsten stehen die Wasserleitungen für die ausreichende Versorgung zur Verfügung. Für abgelegenere Gärten sieht das natürlich anders aus.  

die optimale Bewässerung ist wichtig
die optimale Bewässerung ist wichtig

Besonders im Sommer werden fehlende Niederschläge so schnell zum Problem, wenn es an Alternativen für die Bewässerung mangelt. Die gibt es immerhin:

Die Überdachung

Errichten Sie auf dem Gartengrundstück eine Überdachung. Die sollte die Bepflanzung nicht mit Schatten stören und groß genug sein (ab 5 Quadratmeter). So können Sie Regenwasser leicht in Regenfässer, IBC-Tanks oder andere Behälter ableiten.

Hinweis: Abhängig davon, was Sie in Verbindung mit dem Dach bauen wollen, kann dies baurechtlich relevant sein. Informieren Sie sich daher vorher, ob Ihr vorhaben ohne Genehmigungen möglich ist.

Der Brunnen

Da im Sommer auch Regenwasservorräte schnell zur Neige gehen können, ist womöglich ein eigener Brunnen eine Option.

Voraussetzung hierfür ist eine geeignete Tiefe des Grundwasserspiegels (weniger als 10 Meter) und die Anmeldung bei der „Unteren Wasserbehörde“ – je nach Landkreis kann der Antrag allerdings mit Gebühren verbunden sein.

Die Möglichkeiten für Brunnen im Garten sind vielfältig
Die Möglichkeiten für Brunnen im Garten sind vielfältig


Je nach Tiefe können Sie das Wasser per Hand mit einer Schlegelpumpe heraufbefördern, ansonsten können sie auf elektrische oder solarbetriebene Pumpen zurückgreifen.

Aller Anfang ist schwer

Das Anlegen der Beete und Wege, die Sicherstellung der Wasserversorgung und etliche andere Arbeiten, die der Vorbereitung für den eigenen Gemüsegarten dienen, nehmen selbst bei kleineren Gärten einige Zeit in Anspruch.

Anfänger in Sachen Gartenarbeit, die noch keinerlei Erfahrung haben und sich unsicher fühlen, sollten es danach ruhig angehen lassen – und vielleicht für die erste Saison nicht zu viel erwarten.

Denkbar ist zum Beispiel, die Abläufe erst im kleinen Maßstab auszuprobieren und sich auf ein Beet zu konzentrieren: Einteilen, düngen, bearbeiten können so ausprobiert und erste Erfahrungen gesammelt werden.

Daneben bleibt ohnehin noch genug zu tun. Wenn Zeit und Platz es zulassen, können Sie Fruchtsträucher und Obstbäume setzen.

Richtig durchstarten werden Selbstversorger mit dem eigenen Garten dann in der nächsten Saison – und hoffentlich ein ertragreiches Gartenjahr erleben, in dem sich die Mühe auszahlt. Die Grundlagen sind mit unseren Tipps jedenfalls geschaffen.